Die Wirklichkeit

Aus zwei inzwischen im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf entdeckten Handschriften, welche allerdings erst rd. 200 bzw. 280 Jahre später entstanden sind, lassen sich noch weitere Einzelheiten ermitteln, wobei gewisse Ähnlichkeiten zum Inhalt der Sage nicht zu verkennen sind: Das Opfer Wirich von Daun soll ein ernster und finsterer Geselle gewesen sein (so wird in der Sage der eigentliche Mörder geschildert). Als Todesursache wird weder ein Sturz vom Fels noch ein Pfeilschuss, sondern ein Erschlagen im Bett angegeben.
Die Nachfolge Wirichs als Obersteiner Regent übernahm sein Stiefbruder Cuno, der (und nun auch wiederum interessante Anklänge an die Sage) wegen Familienstreitigkeiten Oberstein verlassen hatte und Mitglied der Deutschordensritter geworden war. Als solchen verschlug es ihn allerdings nicht nach Palästina, sondern nach Preußen und Liviand, wo man ihn nach dem Mord an Wirich suchen ließ, um ihm die Regentschaft in Oberstein anzutragen. Dieser Cuno von Daun-Oberstein kehrte tatsächlich zurück, verehelichte sich auf Anraten einiger Freunde und führte das Geschlecht fort; er wurde zum Stammvater aller nachmaligen Herren von Daun-Oberstein.

Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch an den Mord an dem neugewählten Trierer Erzbischof Cuno von Pfullingen erinnert, der durch einen Sturz von Burg Urley (über Ürzig an der Mosel) 1066 zu Tode kam. Die Behauptung, dass der Nutznießer dieser Tat, der neue Erzbischof Udo von Neuenburg, mit dem Geschlecht der alten Herren von Oberstein verwandt gewesen sei, ist jedoch in keiner Weise erwiesen, sodass eine Verbindung zur Sage um die Erbauung der Felsenkirche reine Spekulation bleiben muss. Außerdem sind die zeitlichen und räumlichen Zusammenhänge in wirklichem Sinne “weit hergeholt“.