Das Altarbild

Die drei Gekreuzigten beherrschen die obere Hälfte des Mittelfeldes, in der unteren Bildhälfte ist eine Gruppe von fünf Personen durch große goldene Nimben mit den Namen der Dargestellten ausgezeichnet: Johannes, der seine Tränen mit dem Manteltuch trocknet, Maria Magdalena, Maria, Mutter des Jakobus, und Maria Salome, die sich um die wie leblos daliegende Mutter Jesu bemühen.  In der Ecke rechts unten ist das Trio der zwergenhaften Kriegsknechte beim Würfeln um Jesu Kleider in Streit geraten. Der Gruppe der heiligen Frauen zugewandt, kniet, kindlich klein, im weißen Chorrock, die Hände betend zusammengelegt, der Stifter des Altars; ,,Miserere mei“ sagt sein Schriftband. Auf dem blauen Pferd sitzt ein dunkelhäutiger Exot und blickt empor, der fromme Hauptmann, durch ein Schriftband mit den Worten ,,Vere filius dei erat iste“ gekennzeichnet, wendet sein Gesicht ab, zwei Ritter mit silbernen Helmen diskutieren erregt das Geschehen. Ein Alter, von der Legende Stephaton genannt, führt den essiggetränkten Schwamm mit einem Rohrstab zu Jesu Mund. In spitzem Winkel schneidet der Stab die Lanze, die ein Reiter mit geschlossenen Augen, von seinem Begleiter unterstützt, Jesus in die Seite stößt. Links neben ihm streckt ein Mann die Zunge gegen den Dornengekrönten heraus; er hält ein Schriftband mit den Worten: ,, Si tu Christus es descende de cruce“.

Vier Engel umschweben den gekreuzigten Christus und fangen in goldenen Kelchen sein Blut auf. Er ist mit klobigen Bolzen angenagelt, während die Schächer in den Achseln über dem Kreuz hängen, das im Unterschied zum mittleren T-förmig ist; ihre Arme sind an ein Querholz gebunden, ihre Beine baumeln frei herab. Beide Schächer sind dem Heiland zugekehrt. Der linke, bußfertige, hat den Kopf gesenkt; seine Seele, in Gestalt eines Kindes, wird behutsam von einem Engel umfasst. Der Bösewicht rechts scheint erhobenen Hauptes den Herrn noch zu lästern, indes ein schwarzer Teufel bereits mir Klauen und Zähnen die arme Seele packt.

Nur auf dem Kreuzigungsbild zeigt das zur tragischen Maske erstarrte Antlitz Christi eine gewisse Größe; auf den Flügelbildern ist es ausdruckslos und ohne eine Spur jener Majestät, die ihm der Kreuznimbus verleiht. Unausgeprägt und gleichförmig sind die Hände der im Übrigen durch Gesichtsschnitt, Barttracht, Kleidung, Bewaffnung und anderes Zubehör so auffällig individualisierten Personen; schablonenhaft sind auch die Pflanzen wiedergegeben.

Außerordentlich ist der Farbenreichtum. Dunkles Blau, Purpurrot, Braun und Grün, Violett, Hellblau, Lila, Orange, Gelb, Weiß und Gold klingen zu einer vielstimmigen, festlichen Harmonie zusammen, wie sie uns später etwa bei Holbein o. Ä. und Meister Mathis begegnet.