Gesetz für gefährliche Menschenarten

Aus dem Tagebuch der Pfarrhündin Evita

Liebes Tagebuch,

als ich mir vor fünf Jahren meine Menschen ausgesucht habe, dachte ich mir, ich sei dort gut aufgehoben.Eine Pfarrerin und ihre Kinder , habe ich mir gedacht, das müssen doch einfach gute Menschen sein, voller Liebe zu ihren Mitgeschöpfen und Achtung vor dem Leben.

Und nun das: Da kommt Frauchen letzte Woche nach Hause und holt stolz eine Plastikbeutel aus dem Auto…. „Nähstube Schneider“, wispert sie leise zu mir und ruft nach den Kindern. Das junge Frauchen und das kleine Herrchen erscheinen recht schnell und erhalten dann beide ein Geschenk der besonderen Art.

„Ohne dieses hier“, so sagt das Frauchen bei der Übergabe, „geht mir von jetzt an keiner mehr in die Öffentlichkeit!“ Die beiden gucken recht betreten und probieren vorsichtig an.

Was sich nun vor meinen Augen abspielt, ist nicht zu glauben. Meine ganze Menschenfamilie muss unter ein Gesetz für gefährliche Menschenarten fallen…. Alle drei standen plötzlich mit Maulkörben im Flur!

Ich besitze nun auch so ein Ding. Natürlich nicht aus Nähstube Schneider, sondern mehr aus dem Zoofachgeschäft, aber ja, auch ich besitze einen Maulkorb. Nicht, weil ich so gefährlich bin, sondern weil ich als Junghund mal beim Impfen meinen Unterkiefer nicht so recht unter Kontrolle hatte. Da hätte ich fast den Tierarzt gezwackt und unser Doktor ist da etwas nachtragend.

Menschen habe ich mit so etwas noch nie gesehen. Ob die auch beim Doktor beißen? Muss ich jetzt Angst haben, dass auch mir etwas geschieht? Schließlich legen sie zuhause die Maulkörbe ja ab!

Doch vielleicht ist es ähnlich wie bei mir. Ich trage das Ding auch nur in besonderen Situationen. Und nicht etwa deswegen, weil ich absichtlich jemandem schaden wollte, sondern weil es mir in Ausnahmesituationen versehentlich passieren könnte. Und ok, bevor jemand zu Schaden kommt, lasse auch ich mir mein Körbchen vors Maul setzten. Ist ja auch ein Statement.

Soll aber keine auf die Idee kommen, mir so eins aus der Nähstube Schneider zu verpassen. Meines ist nämlich viel schööööner und riecht lecker nach mir.

Ach so: Die Idee, mein fabelhaftes Selbstporträt – ist mir doch wirklich gut gelungen, hat ganz schön lange gebraucht – mit Nähstick einzurahmen stammt nicht von mir. Ich distanziere mich ausdrücklich. Irgendwie haben hier alle gerade einen Nähtick!

Bis die Tage!

Gesetz für gefährliche Menschenarten