Ostergruß 2020

Wir feiern das Leben

Die Schulpfarrerinnen der BBS Idar-Oberstein Harald-Fissler-Schule begleiten Ihre Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler mit Texten zum Nachdenken. Sie schicken auch uns mit diesen Impulsen in die Woche und in jeden neuen Tag. Und am Ende der Woche holen sie uns mit einem Wochenendimpuls wieder ab.

Das Osterfest ist nicht abgesagt, jedenfalls nicht in unseren Herzen. Überall auf der Welt wird die Frohe Botschaft auf unterschiedlichste Art und Weise verkündigt! Gott sei Dank!

Aus diesem Grund zünde ich heute Morgen eine Osterkerze für uns alle an.

Das Licht – ein Symbol des Lebens.

Ich zünde vor allen Dingen auch die Kerze an für all die unzähligen Menschen, die weltweit in den letzten Monaten ihr Leben verloren haben, für die vielen Menschen, die trauern, die in Sorge um Familienmitglieder und Freunde leben.

Durch mein langes Leben hin blieb immer wieder einmal jemand vor mir stehen: „Sagen Sie! Ehrlich! Ist das alles? Kommt nichts mehr?“ So beginnt Jörg Zink sein Buch ‚Auferstehung’. Und weiter: Oder es fragte jemand: „Wissen Sie etwas? Oder glauben Sie es nur? Oder sagen Sie es nur, weil es die Kirche lehrt?“ Ich konnte und kann nur sagen: Nein. Ich weiß nichts. Sie haben Recht: Ich glaube. Ich hoffe, dass mein Glaube sich am Ende nicht als Selbsttäuschung erweist. Ich habe Gründe, so zu glauben. Sogar Gründe, die mir sehr sicher scheinen. Darum lebe ich mit meinem Herzen, mit meinem Verstand und mit allen Erfahrungen meines Lebens in eine bestimmte Richtung. Ich gehe auf etwas zu. Ich erwarte etwas. Wie wollen Sie es nennen? Befreiung? Leben? Licht? Frieden? Wollen Sie von Ewigkeit sprechen? Von Auferstehung? Aber wissen wir beide denn, ob wir mit solchen Worten etwas meinen, das sich vorzeigen lässt?

Und weiter schreibt Zink: Wir beide sind Menschen. Wir wissen nur, was unsere Sinne uns zeigen und was unser Verstand denken kann. Was wir einander beweisen können, füllt einen Fingerhut. Unsere Welt ist eine ungeheure, eine grenzenlose, dunkle Weite, die wir mit dem kleinen Licht unseres Verstandes nicht erhellen, und es wird uns von ihr immer nur so viel fühlbar sein, als wir in uns selbst Raum haben für Rätsel und Geheimnisse. Ich will Sie also fragen: Wie viel von solchem offenen Raum haben Sie in sich? Ich frage natürlich auch mich selbst: Wie viel offener Raum ist in mir für das, was mir neu ist und anders und über das sich lohnt, zu reden?

Ich möchte Euch heute einladen, den Raum in Euch zu öffnen für dieses Geheimnis. Lasst uns aufstehen hier und heute, dass unsere Hoffnung Kreise zieht. Wir können hier schon tun, was nötig ist, schreibt Zink. Es kann Leben von uns ausgehen. Gerechtigkeit. Es kann Frieden entstehen um uns her. Es kann Trost von uns ausgehen und Freiheit. Mut für den kommenden Tag und Hoffnung für die Zukunft. Wir werden uns dem, was in dieser Welt geschieht, mit Entschiedenheit zuwenden. Wir werden unseren Glauben und unsere Einsicht einbringen, damit von dem Reich Gottes, auf das wir zuleben, etwas spürbar wird auf dieser Erde für die, die am wenigsten von ihm sehen, die Gerechtigkeit und Frieden am schrecklichsten vermissen.

Wir sind freie Menschen. Wir sind berufen zu lieben. Sonst nichts. Wir sollen Lichter der Welt sein, Lichter aus jenem großen Licht, auf das wir zugehen, Lichter aus der Liebe Gottes.

(aus: Jörg Zink, Auferstehung, Stuttgart, 2005)

Frohe Ostern!

Dorothee Lorentz

Ostergruß 2020