1. Grundgedanken
Um in das schöne, relativ kleine Stummgehäuse von 1756 eine möglichst
vielseitige Konzertorgel einzubauen, stand zunächst der Lösungsansatz mittels
Wechselschleifen im Raum.
Warum mir in Ihrem Fall der Bau einer klassisch 2-manualigen Orgel als
sinnvoller erscheint, möchte ich hier kurz erläutern.
Die Wechselschleife ist Platz sparend in der Gehäusetiefe, nicht aber in der
Breite.
Das Problem in der Felsenkirche jedoch ist, dass nur sehr wenig Breite (2.40 m),
bei relativ großer Tiefe (am Boden gemessen 3,40 m) zur Verfügung steht.
Die vorhandenen Raumverhältnisse sprechen also genau gegen die Platzverteilung
der Wechselschleife.
Will man trotzdem dieses System realisieren, muss man die Ventilgrößen bis zur
Grenze reduzieren und läuft Gefahr, dass die Windversorgung der Laden nicht ausreicht.
Das Bauprinzip der "normalen" 2-manualigen Orgel hingegen kann die
Gehäusetiefe nutzen und ermöglicht eine reichliche Dimensionierung der Tonventile.
Darüberhinaus ist die Wechselschleifenregistermechanik um ein vielfaches
komplizierter als die herkömmliche Mechanik und benötigt deutlich mehr Platz. Durch das
feuchte Klima der Kirche wird die Wechselschleife sicherlich störungsanfälliger und
durch den großen Platzverbrauch im engen Gehäuse auch schlecht zu warten sein.
Beim traditionellen System hingegen sind alle relevanten Bauteile gut
erreichbar.
Dadurch, dass die Mechanik der Wechselschleife aufwändiger, also auch teurer
ist, können zum gleichen Preis weniger klingende Register gebaut werden. In Ihrem Fall
stehen 12 Register gegen 19 Register.
Mag die Wechselschleife bei kleineren Orgeln vorteilhafter sein, so ist sie bei
den gegebenen Relationen jedoch in Klangfarbenvielfalt und Klangkraft deutlich unterlegen.
Der traditionelle 2-Manualige Werkaufbau entspricht genau dem Baustil der
Gebrüder Stumm aus Rhaunen Sulzbach.
Gehäuse und Baustil sind also historisch und bilden aus der Sicht des
Denkmalschutzes eine Einheit.
Die Wechselschleife jedoch wurde nicht bei einer einzigen Stummorgel verwendet.
2. Das Gehäuse
Das originale Frontgehäuse wird schreinerisch komplett restauriert und chemisch
gegen den vorhandenen Holzwurmbefall behandelt.
Seitenwände und Turmprofile werden stilgemäß aus Eiche so weit nach hinten
verlängert, bis sie das komplette I Manual umkleiden.
Als seitliche Verkleidung erhalten das II Manual und das Pedalwerk eine
entsprechende Konstruktion aus Rahmen und Füllungen. Diese, aus dunkel gebeiztem
Fichtenholz bestehenden Seitenwände sind mit großen Längsschlitzen versehen. Die
Öffnungen dienen der Klangabstrahlung und der Luftzirkulation innerhalb des Gehäuses.
Das gesamte Gehäuse erhält einen geschlossenen Deckel aus massiven
Fichtenholzfüllungen.
Alle Seitenwand- und Deckenelemente fluchten mit der alten Gehäusefront, sodass
sich der jetzige Anblick der Orgel von unten nicht verändert.
Obwohl die Orgel eine Decke hat, ist es seitens der Gemeinde nötig, eine
spezielle Folie zum Schutz vor Tropfwasser an der Felswand im gesamten Orgelbereich
anzubringen.
Die jetzigen Holzgitter an der Emporenfront werden entfernt und durch eine, der
unteren Empore entsprechende, Geländerkonstruktion ersetzt.
3. Windladen und Windversorgung
Durch Aufkauf eines Schreinereiholzlagers stehen mir zum technischen Ausbau des
Instrumentes Holzbestände mit bis zu 30 Jahren Ablagerzeit zur Verfügung. Aus diesem,
sehr ruhigen Holz werden u.a. Schleifen, Kanzellenrahmen und die Schleifendämme
gefertigt. Zum Herstellen der Schiede, Stöcke und Stellbrettchen wird Fichtenholz
verwandt.
Bei den Windladen handelt es sich um eine Kanzellenrahmenkonstruktion, bei der
die Schiede stirnseitig in den Kanzellenrahmen eingenutet sind. Als Fundament dient 5-fach
verleimtes 6 mm starkes Bootsbausperrholz, welches ein sicheres ,,Stehen" der
Windlade garantiert.
Die Unterseite ist mit Ladenpapier und reißfestem Leinenpapier bespannt.
Rissbildung zwischen den Schieden und den eingespundeten Ventilstiftstegen sind somit auch
bei extremen klimatischen Bedingungen ausgeschlossen.
Die aus massearmen Zedernholz geschnittenen Schwanzventile dichten die
Ventilschlitze mittels einer Lage aus 3 mm Filz und 1a Ventilleder. Erreichbar sind die
Ventile über Eichenspunddeckel mit Eisenvorreibern. Unter den Laden befinden sich
großflächige Ladenbälge, welche für stabile Windverhältnisse sorgen.
Um die Windgeschwindigkeit innerhalb der Kanzellen möglichst gering zu halten,
sind die Kanzellenquerschnitte und die Ventilgrößen reichlich bemessen. Die große
Oktave aller Werke ist mit nacheinander abziehenden Doppelventilen ausgestattet. Als
Winderzeuger ist ein verwirbelungsarmer ,,Ventus" (130 mm Ws) vor einen aus
Fichtenholz gefertigten Vorbalg geschaltet. Dieser Vorbalg hat einen Betriebsdruck von 110
mm/Ws und versorgt die Ladenbälge über ein zentrales Kanalsystem aus Fichtenholz.
4. Mechanik
a. Registertraktur
Der frei stehende Spieltisch ist aus feinem Eichenholz gearbeitet und in seiner
Form eine Rekonstruktion Stummscher Spieltische.
In die horizontal angeordneten Registerzüge aus gedrechseltem, schwarz
gebeiztem Ahornholz werden Porzellanschildchen mit eingebrannten Registernamen eingelegt.
Stehende, grundierte und schwarz lackierte Eisenwellen in Kombination mit
eichernen Zugstangen bilden die Registerzugmechanik. Großzügige Rohrdurchmesser, vor
allem im Trakturschacht, und zwischengeschaltete Zugführungsrechen sorgen für eine
torsionsarme und leichtgängige Registerbetätigung.
b. Spieltraktur
Die Obertasten der Manualklaviaturen sind aus Ebenholz, bei den Untertasten wird
in Anlehnung an die Stummsche Klaviaturbauweise kostbarer Knochenbelag verwandt.
Die eicherne Radialpedalklaviatur liegt mit dis 16 unter dis 28 der Manuale.
Desweiteren hilft eine, durch Holzunterlagen höhenverstellbare Orgelbank dem
Organisten schnell zur richtigen Sitzposition. Der Spielimpuls wird über Holzabstrakten,
Holzwinkelbalken und Holzwellenbrettern zu den Tonventilen geleitet.
Der Druckpunkt der sehr leicht gängigen, praktisch geräuschlosen Traktur ist
moderat und ermöglicht schnellstes Spielen. Die Abstrakten werden durch ausreichende
Zwischenpendel und Führungsrechenanordnung exakt und seitenschwingungsfrei geführt.
Im klimatisch schwierigen Raum der Felsenkirche bilden die automatischen
Trakturspanner des I und II Manuals eine wichtige Schutzmaßnahme vor ,,Hängern" und
unregelmäßigem Tastenstand. Die Traktur passt sich so quasi dem Arbeiten des Holzes, bei
verschiedener Luftfeuchtigkeit an.
5. Pfeifenwerk
a. Die Metallpfeifen ( Labiale )
Die neuen Metallpfeifen werden von der renommierten Pfeifenwerkstätte G. Bier
aus Giengen an der Brenz angefertigt. Ihre hohe Verarbeitungsqualität ermöglicht eine
bestmögliche Weiterverarbeitung und Intonation.
Die Labien sind gedrückt und die Deckel der Gedeckten beweglich mit einem
Spezialflies abgedichtet, welches ein Verrutschen der Deckel sicher verhindert.
Offene Metallpfeifen mit einer Körperlänge, größer als 300 mm, sind mittels
Stimmrollen stimmbar und Pfeifen mit geringer Länge gewissenhaft auf Tonlänge
geschnitten.
b. Zungenpfeifen ( Linguale )
Hersteller ist die branchenführende Firma K. Giesicke aus Göttingen.
Durch eine besondere Legierung des Zungenmaterials ist die Klangqualität der
Pfeifen dauerhaft und voll.
Die Zungenbecher werden durch eine aufwändige Rastrierung mittels mehrerer
Oberraster befestigt. Ein Verbiegen oder Knicken der Becher ist somit ausgeschlossen.
Bauart und Mensuration werden von originalen Stummschen Zungen übernommen.
c. Holzpfeifen
Kerne, Vorschläge, Spunde, gedrechselte Stöpselgriffe, Füße und Deckel der
Holzpfeifen bestehen aus feinjährigem Eichenholz. Als Material zur Fertigung der
Seitenwände, bzw. des Bodens kommt Nadelholz wie Lerche oder Fichte zum Einsatz. Die
Oberfläche ist fein geschliffen und mit biologischem
Öl behandelt. Das zu übernehmende Holzpfeifenmaterial wird restauriert, d.h.
abgehobelt, geschliffen, ebenfalls geölt und klanglich entsprechend umgearbeitet. Im
Rahmen dieser Arbeiten ist das Neuabdichten der Pfeifendeckel mit einer Leder- /
Filzkombination enthalten.
6. Die Klanggestaltung
Ausgangspunkt der angestrebten Intonation ist die Klangvorstellung der
Übergangszeit von Klassik zur Romantik. Es soll eine typische Stummorgel jener Zeit mit
tragfähiger eigenständiger Basslage und warmklingender Mittellage werden. Der
Diskantbereich ist brillant, aber keinesfalls schrill oder hart.
Die Präsenz der kräftigen Zungen und des zusammenstellbaren Cornetts des II
Manuales geben dem Werk den unverwechselbaren französischen Charakter, sodass sich im
Plenumspiel, unterstützt durch die gute Akustik des Raumes, dem Zuhörer ein
großflächiges aber gleichzeitig differenziertes Klangbild eröffnet.