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Eberhard Zahn: Die Ausstattung
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Als im Jahre 1742 ungeheure Felsmassen vom Bosselstein herabstürzten, wurde die gotische Felsenkirche aufs schwerste beschädigt. Die Rippengewölbe des Schiffes stürzten ein, und nur die gewölbten Räume, die sich direkt an das Felsmassiv anlehnten, blieben anscheinend erhalten. Die Felsmassen und das herabstürzende Gewölbe haben die alte Ausstattung großenteils unter sich begraben; das berühmte Altarretabel von 1400, das Tafelbild mit der Familie des Grafen Sebastian, der Taufstein und wahrscheinlich auch Teile der Herrschaftsloge haben die Katastrophe überstanden. Als man wenige Jahre danach an den Wiederaufbau der Kirche ging, mussten die Möblierung und die Ausstattung der Kirche neu geschaffen werden. Anstelle der Gewölbe baute man eine hölzerne Tonne ein, wie es auch schon in gotischer Zeit bei zahlreichen Kirchen üblich war, wenn man die Kosten einer Wölbung scheute. Die Kirche erhielt ein einfaches, aber doch interessantes Gestühl: Bankreihen mit herausklappbaren Sitzen an den Wangen. Die Wangen selbst waren in geschwungenem Kontur aus einem dicken Brett herausgesägt und endeten oben in einem Kreuz. Die frei stehenden Bänke des Gestühls hatten hinten oder vorne einen Abschluss mit einfachen Profilen. Im Westen errichtete der barocke Baumeister eine hölzerne Empore auf hohen Pfosten, die bis zur westlichen Abschlusswand anstieg. Eine weitere schmale Empore zog sich an der Südwand entlang und durchschnitt das westliche der beiden großen Fenster. Die Brüstungen der Emporen hatten gerahmte Füllungen, die wohl alle bemalt waren. Die Ostseite, wo der Altar stand, hatte vor dem Felssturz einen apsisartig gewölbten Abschluss, wobei die gotischen Rippen dieses Altarjoches anscheinend auf den unregelmäßigen Verlauf der Felsennische Rücksicht genommen hatten. Ob ein Triumphbogen durch eine besondere Rippe angedeutet war, lässt sich nicht mehr nachweisen, denn der barocke Baumeister, der nach dem Felssturz von 1742 die Kirche erneuerte, baute einen barocken Triumphbogen ein, damit die hölzerne Deckentonne einen geraden Abschluss erhalten konnte. Der Bogen scheint abgephast gewesen zu sein, wie es aus der fotografischen Aufnahme von 1928 (beim Ansatz links, d.h. auf der Nordseite) zu erkennen ist.

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Bild 44: Gewölbte Decke und Triumphbogen vor der Renovierung

Unter dem Triumphbogen baute der barocke Meister eine Empore mit der Orgel ein, aber doch so, dass man die teils natürliche, teils in den Felsen eingeriefte Altarnische sehen und erleben konnte. Auch hier wiesen die Füllungen der Emporebrüstung Gemälde auf es sind die heute noch erhaltenen Apostelbilder an der Westempore (seit 1929). Darüber waren verschiebbare Holzgitter angebracht. In der Mitte, über dem Altar, schwebte die Orgel mit ihrem schönen dreitürmigen Prospekt, der auf seiner Lade 1756 datiert ist. Links unten, auf der Nordseite, befand sich ein kleiner Verschlag, wohl zum Umkleiden des Pfarrers bestimmt, denn der Weg vom Städtchen hierher war doch beschwerlich, und von dort führte ein verstecktes Treppchen auf die Kanzel. Der Kanzelkorb dürfte 1742 nicht erhalten geblieben sein, obwohl die Ornamente auffallend rückständig für die Zeit nach 1742 sind. Er zeigt einfache barocke Formen ohne die um die Zeit gegen 1750 zu erwartenden Rokokoornamente; lediglich die Blätter an den Enden des Blüten- und Blattgehänges, die die Ecken des Kanzelkorbs markieren, haben einen Hauch des Royales. Barockes Blattwerk rahmt auch die ovalen, wohl einst bemalten Schilde in den Füllungen des Korbes. Am Kanzelboden hängt ein Zapfen in Form einer Weintraube. Einige Teile der Kanzel werden neueren Datums sein. Ein Schalldeckel war anscheinend nie vorhanden. Obwohl die Kanzel etwas zur Seite gerückt ist, erinnert die Anlage doch noch an die Kanzel-Orgel-Altäre, wie sie in protestantischen Kirchen häufig zu finden sind.

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Bild 45: Das 1929 neu gestaltete Hauptschiff

Im Seitenschiff auf der Nordseite, das bei der Katastrophe des Jahres 1742 kaum beschädigt worden ist, befand sich hoch oben die herrschaftliche Loge, die über zwanzig Stufen über einen schmalen Gang an der nördlichen Kirchenwand zugänglich war. Die Öffnung zum Schiff hin war mit einer gegliederten und profilierten Brüstung aus Eichenholz abgeschlossen. Kleine gedrungene Pilaster, die mir Ornamenten verziert sind, unterteilen die Felder der Brüstung. Darüber befindet sich ein reich profilierter Abschluss mit der Armlehne für die am Gottesdienst teilnehmende Herrschaft. Das Profil verkröpft sich über den kleinen Pilastern. Wegen der Profile und des noch ans ,,Bandelwerk“ erinnernden Ornaments an den kleinen Pilastern könnte dieser Teil der Empore tatsächlich den Sturz von 1742 überstanden haben; er müsste dann aus der Zeit um 1720 stammen. Aber bei dem Nachhinken der Stilentwicklung ist die Entstehung der Emporenbrüstung auch nach 1742 möglich. Das Interessanteste war der Bezug zur Herrschaft der Obersteiner am Bau selbst: über der Empore befand sich bis 1928/29 das Daun-Obersteiner Wappen, gleichsam das Hoheitszeichen der Herrschaft, auf einem Gewölbeschlussstein in Sandstein gehauen und mit einem rechteckigen spätgotischen Rahmen versehen. Ohne diesen sinnvollen Bezug zu achten, hatte Wilhelm Heilig diesen Schlussstein entfernen und am Mittelpfeiler im Schiff anbringen lassen. Die Empore darunter, wohl für die Hofbediensteten bestimmt, liegt elf Stufen über dem Boden des Kirchenschiffes. Die Öffnung zum Schiff ist mit einem reich verzierten Rahmen mit Blüten und Blättern versehen. Trotz einigen Bedenken hinsichtlich des gottesdienstlichen Zeremoniells und der Funktion der Herrschaftslogen neige ich hier in der Felsenkirche dazu, dass die Herrschaft nicht hoch oben dem Gottesdienst beigewohnt hat, sondern in der sich breit öffnenden ,,unteren“ Empore. Denn der Zugang nach oben war und ist etwas unwürdig und sehr beschwerlich. Außerdem macht die Brüstung mehr den Eindruck eines Baldachins. Aber das sollen nur Vermutungen sein! Die Ornamente um die untere Empore passen zu denen der Kanzel; die Blüten und Blätter, vor allem die Blattenden, weisen auf die Rocaille hin. Die Rahmen dürften deshalb nach 1742 entstanden sein.

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Bilder 46 und 47: Zinnkannen aus dem 17. und 18. Jh.

Der gotische Taufstein stand vor 1929 etwas seitlich hinter dem Altar, und dort entdeckt man auf den alten Fotografien einen schweren hölzernen Opferstock. Obwohl die Kirche durch spätere Felsstürze erneut beschädigt worden war (1838, 1858), scheint das Innere den spätbarocken Charakter bewahrt zu haben. Erst mit jener - man muss es offen aussprechen - unglückseligen von 1928/29 durch den Architekten Wilhelm Heilig wurde mit der Einrichtung und Ausstattung rücksichtslos und willkürlich umgegangen, sodass der Raum heute jene heimelige, aber auch bescheidene Atmosphäre vermissen lässt, die wir auf den alten Fotos noch erahnen können1).

Das Sitzgestühl wurde entfernt und durch ein modernes formloses Kastenwerk ersetzt; die Holzempore mit der Orgel wurde herausgerissen, dafür zwei Betonemporen eingebaut, mit glatten Sperrholzplatten verkleidet, in die obere Empore der alte Orgelprospekt eingefügt und hohe Holzgitter angebracht. Der barocke Triumphbogen wurde radikal herausgerissen. Die alte, ansprechend gestaltete Orgel-Altaranlage des Barocks war von dem Triumphbogen noch eingefasst, ja umfangen gewesen. Das erhaltene Orgelgehäuse wurde 1929 im Wesentlichen unverändert übernommen. Es ist ein bescheidenes Werk mit drei Türmen und zwei geraden Zwischenteilen, in der Gestaltung an ältere Traditionen anknüpfend. Die seitlichen Türme ragen spitz in den Raum hinein, der mittlere, der größte, ist rund. Reiches à jour gearbeitetes Rankenwerk begleitet die Pfeifen und bildet den seitlichen und bekrönenden Schmuck des ansprechenden Prospektes. Auf der Sockellade steht das Datum: 1756. Am mittleren Türmchen des Orgelprospektes sitzt unten eine köstliche Maske mit dichtem, das Gesicht rahmenden Haar und mit einer reichen Krone. Erstaunlicherweise gibt die Ornamentik des Orgelprospektes so gut wie keinen Hinweis auf das Entstehungsdatum 1756; sie ist wie die der Kanzel und Herrschaftsloge noch barock und ohne auffallende Anklänge an das Rokoko. Abgesehen von der unnötigen Entfernung des Triumphbogens war das Schlimmste die von Heilig vorgenommene Abmauerung der originalen Felsennische, wo der Altar stand. Das Ganze ist sachlich, aber alles andere als sakral. Gerade dort, wo das schönste und von der Funktion der Kirche her wichtigste Ausstattungsstück im Jahre der Wiedereinweihung 1929 erneut aufgestellt wurde, verspürt man am wenigsten sakrale Atmosphäre. Denn die Empore ist zu tief angesetzt, obwohl doch feststand, dass die Altartafel von 1400 wieder an ihren alten Platz kommen sollte, wo sie wahrscheinlich bis 1742 gestanden hatte. Dort herrscht eine Enge, die das schöne Bild seiner Würde beraubt. Willkürlich ging der Architekt von 1928 mit der herrschaftlichen Loge um; sie wurde sozusagen auf den Kopf gestellt. Die steinerne Brüstung unten wurde fast ganz entfernt, und der baldachinartige Aufbau von oben nach unten versetzt. Außerdem begriff der Architekt auch nicht die herbe Schönheit und die Statik des gotischen Baues, denn er verdeckte mir seiner neuen durchgehenden Empore den nordöstlichen Pfeiler der Kirche mit seinen Kanten und rückte noch dazu die neu gestaltete ehemalige Herrschaftsloge und die neuen Emporen vor die nördliche Wandflucht vor. Die sechs Apostelbilder, die bis 1928 die Mitte der westlichen Emporenbrüstung zierten, ließ Heilig hier an der Brüstung der Herrschaftsloge anbringen, fügte aber, weil die Gemälde nicht hoch genug waren, Namensbeischriften hinzu. Es sind die Apostel (von links) Judas, Matthäus, Markus, Lukas, Johannes und Simon. Die Bilder erheben zwar keinen künstlerischen Anspruch, aber die Apostel stehen lebendig und eindringlich vor uns als bäuerliche Gestalten voller Kraft. Die jüngste Restaurierung gab den Bildern wieder ihre strahlenden Farben zurück. Auch die anderen Emporen sind ohne Rücksicht auf die gotische Architektur eingebaut: wie auf der Altarseite sind auch im Westteil die Emporen vor die Pfeiler gesetzt. Die auf getünchten Betonpfeilern ruhende Westempore ist heute mit den fast bäuerlichen Aposteldarstellungen geschmückt, die vor dem Umbau die Orgelempore zierten. Dargestellt sind (von links) Thomas, Bartholomäus, Jakobus Major, Petrus, Jesus Christus, (in der Mitte), Andreas, Philippus, Jakobus Minor und Matthias. Die Apostel stehen vor teilweise fantastischen Berglandschaften. Petrus vor den Felsen von Oberstein mit der Felsenkirche nach der Restaurierung seit 1742 mit der Burg Bosselstein darüber; andere stehen vor Burgen und Stadtansichten. Die Gemälde sind wie die anderen bäuerliche, etwas derbe Kunst, aber doch voller Reiz. Christus in der Mitte ist als Gestalt kleiner als die Apostel, er steht aber in einer apokalyptischen Vision in einer Wolkenlandschaft mit den sieben Leuchtern. Christus selbst in der Mandorla, von seiner erhobenen Rechten gehen sieben Sterne aus, von den Augen zwei Flammen, dazu noch vom Munde ausgehend das Schwert.

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Bild 48: Christus als Weltenrichter

Der Maler war beauftragt, diese Vision aus der Offenbarung des Johannes an zentraler Stelle im Kirchenraum, direkt über dem Altar, bildlich darzustellen. Im Kapitel 1 der Offenbarung sagt Johannes:

Vers 7. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn zerstochen haben; und werden heulen alle Geschlechter der Erde. Ja, amen.

Vers 12. Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Als ich mich wandte, sah ich die sieben goldenen Leuchter,

Vers 13. und mitten unter den sieben Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohne gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.

Vers 14. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme.

Vers 16. und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete wie die helle Sonne.

Vers 20. Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und die sieben goldnen Leuchter: die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden; und die sieben Leuchter, die du gesehen hast, sind sieben Gemeinden.

Kapitel 19, Vers 15. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Heiden schlüge.

Für die evangelischen Auftraggeber und die Künstler war eine solche religiöse Thematik an hervorgehobener Stelle über dem Altar eine gängige und von der Gemeinde sicher verstandene theologische Verknüpfung; umso unverständlicher bleibt es, dass man 1928/29 auch dieses theologische Programm zerriss, indem man die Bilder dort entfernte.

An der Rückwand hinter der Empore hängt das interessante Bild der gräflichen Familie, ein Werk der deutschen Renaissance. Dargestellt ist der durch Verzicht seines Bruders Philipp von Oberstein 1554 in den Besitz der Herrschaft gekommene Graf Sebastian (1554 -1579). Sebastian war und blieb katholisch, obwohl die Herrschaft Oberstein evangelisch war. Er war mit der Wild- und Rheingräfin Elisabeth verheiratet und hatte drei Söhne und zwei Töchter. Das über der Empore angebrachte Familienbild zeigt den Grafen Sebastian mit seiner ganzen Familie: links steht der Graf mit seinen Söhnen, rechts die Gemahlin Elisabeth mit den Töchtern, alle vor einer gewölbten Renaissanceloggia. Der neben dem Grafen stehende älteste Sohn ist Philipp Franz von Oberstein, der Nachfolger Sebastians und der Begründer der Achatschleiferei durch Erlass der Zunftordnung im Jahre 1609. Über dem Bildnis des Grafen ist die Auferstehung Christi aus dem Grabe zu sehen, über dem der Gräfin die Verklärung Christi auf dem Berge Tabor mit den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes; im Himmel erscheinen Moses (links) und Elia (rechts). Es heißt im Evangelium des Matthäus Kapitel 17, Verse 1 bis 3:

Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen Berg.

Und er ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht.

Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Das Altarbild ist sicherlich aus zwei Tafelbildern zusammengesetzt oder aus zwei Altarflügeln; man sieht in der Mitte genau, dass die Architektur auf beiden Bildern nicht genau zusammenpasst. Das Bild ist nicht gut erhalten und musste vor kurzem erneut restauriert werden. Der verdienstvolle Lokalforscher Alfred Loch meint mit Recht, ,,dieses Grafenbildnis ist das einzige in Oberstein, das die Erinnerung an ein Geschlecht uns überliefert, das Jahrhunderte in guten und bösen Zeiten für die Geschicke unserer Vorfahren bestimmend war und uns deshalb als geschichtliche Erinnerung gleich wertvoll sein muss wie das kostbare Altarbild“2).

Die Grabplatte seines Sohnes, des Grafen Philipp Franz, der die Herrschaft erbte und 1624 starb, war noch bis zu jenem verhängnisvollen Umbau 1929 erhalten; die Reste wurden damals als Deckplatten für eine Kirchhofsmauer verwendet! Alfred Loch hat uns die Grabinschrift überliefert3).

Erhalten geblieben ist der Rittergrabstein des Junkers Philipp II. von Daun, Herr zum Stein (1394 - 1432); auch da sind einige Buchstaben der Inschrift während der Umbaumaßnahmen 1929 durch Nachlässigkeit zugrunde gegangen. Philipp steht in voller Rüstung auf zwei Löwen, die ihren Kopf zur Seite wenden. Der Ritter hält in seinen Händen die Waffen, den Dolch in der Rechten, das Schwert in der Linken. Philipp trägt über der Rüstung einen Mantel, der oben geschlossen und mit einem Kettenpanzer über Brust und Schulter bedeckt ist. Links oben das Wappen Philipps, rechts die Helmzier. Das Grabmal, ursprünglich als Tumba liegend, ist nicht ersten Ranges, aber der Mantel erinnert mit seinen weichen Falten doch noch an die Spätstufe des ,,Weichen Stiles“ innerhalb der gotischen Stilentwicklung. Die Inschrift des Grabmals lautet: Anno Domini MCCCCXXXII feria tertia Post Dominicam Estomichi obiit domicellus Phil(ippus de Duna, dominus de Lapide), cuius anima quiescat in pace. Amen; zu Deutsch: Im Jahre des Herrn 1432 am Mittwoch nach Sonntag Estomihi starb Junker Phil(ipp von Daun, Herr zum Stein), dessen Seele in Frieden ruhen möge. Amen4).

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Bild 49

Neben diesem Grabmal ist links oben das Fragment eines Grabsteins eingemauert mit dem gespaltenen Wappen der Raugräfin von Altenbaumburg (bei Bad Kreuznach) und den Worten:

,,Meen rugrafyn fraw zum Obersteyn“.

Diese Raugräfin Mena war die Frau Philipps von Daun. Beide Steine, der der Mena und der Philipps, gehören also zusammen. Alfred Peth hat noch zwei weitere Inschriftplatten in der Felsenkirche entziffern können. Die der 1,80 m hohen Platte lautet:

ANNO 1615 DEN 23 MAY IST DER WOLGEBORENE PHILIP (FRI)DERICUS VON (DAUN GR)AF ZU FALKENSTEIN HERR ZU OBERSTEIN UND BRUCH IN GOTT SELIGLICH ENTSCHLAFEN.

Darunter ist noch das Wappen zu erkennen mit einem weiteren Spruch darunter:

PS 90. HERR LEHR UNS BEDENKEN DAS WIR STERBEN MUSSEN.

Die beiden Buchstaben NF könnte man als eine Steinmetzsignatur deuten5). Philipp Friedrich war der vierte Sohn des Grafen Philipp Franz, war designierte Domherr (Straßburg oder Köln), konnte aber wegen seines frühen Todes diese Domherrenstelle nicht mehr antreten.

Auf der anderen Platte, die 2,05 m hoch und 0,93 m breit ist, kann man lesen:

ANNO (16)15 DEN IN (Z)UM OBERSTEIN UND BRUCH IHRES ALTERS 15 JAHR UND 18 DAG SELICH GOT GENEDIG ENTSCHLAFEN.

Das früh verstorbene junge Mädchen kann wahrscheinlich nur eine Tochter des Grafen Philipp Franz von Daun-Oberstein (1559 - 1624) gewesen sein6).

An dem Zwischenpfeiler der Nordseite befindet sich unterhalb des gotischen Gewölbeanfängers das Wappen von Daun-Oberstein mit dem goldenen Grund und dem roten Gitter. Darunter sitzt in dem Pfeiler seit 1929 der ehemalige Schlussstein von dem Gewölbejoch mir der Herrschaftsloge, den Wilhelm Heilig entfernt hatte und hierher versetzen ließ. Der Stein zeigt ebenfalls das Wappen Daun-Oberstein. Diese Maßnahme des Architekten Heilig vom Jahre 1929 - sie könnte auch heute noch bedenkenlos durchgeführt werden - gibt einen Einblick in die Schaffensweise eines modernen Architekten, der den historischen und architektonischen Bezug und die Bedeutung eines Gegenstandes oder eines Baudetails, anscheinend auch nicht die sakrale Funktion eines früheren Zustandes, weder anerkannt noch erfasst hat. Hier wurde ein Gewölbeschlussstein seiner Funktion beraubt und wie ein Bildchen an die Wand befestigt.

Im westlichen Joch des Seitenschiffes ist in der Höhe der Empore noch ein hübsches gotisches Köpfchen als Gewölbeanfänger erhalten. Schließlich muss noch der spätgotische Taufstein genannt werden, ein schöner sechseckiger Stein, der von einem profilierten Fuß in einen kesselartigen Körper übergeht und mit Blendmaßwerk verziert ist; er stammt aus der Zeit um 1500.

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Bild 69: Taufschale aus dem 16. Jh.

In zwei eingebauten Vitrinen vor dem Altarjoch (auf der Südseite) werden einige wertvolle Metallgegenstände und Geschenke an die Gemeinde der Felsenkirche gezeigt. Das wichtigste Stück ist die Taufschale aus Messing mit der Darstellung von Adam und Eva vor dem Apfelbaum mit der Schlange; der Baum steht im Paradies, das mit Mauern und Türmen umfriedet ist. Um die zentrale Darstellung läuft eine Umschrift in gotischen Buchstaben herum, die vorläufig noch nicht entziffert werden konnte. Die Taufschale ist wahrscheinlich ein Erzeugnis der Nürnberger Beckenschläger und entstammt dem 16. Jahrhundert, aber noch der vorreformatorischen Zeit7). Bemerkenswert sind einige große Zinnkannen, meist Taufkannen mit Deckel, aus dem 17. und 18. Jahrhundert8), ferner ein bauchiges Zinngefäß ohne Deckel, zwei schwere Eisenschlösser, wohl noch gotisch, und zwei hölzerne Scheffelmaße aus dem beginnenden 16. Jahrhundert.

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Bild 50: Kruzifix aus Bergkristall

Von den modernen Gegenständen sind hervorzuheben das Kruzifix aus Bergkristall, eine Arbeit des Obersteiner Graveurs August Schmelzer (1882 - 1955), und das naturgewachsene Achatkreuz, ein Geschenk der Geschwister Petsch aus Idar-Oberstein. Das Gegenstück zu diesem Natur-Kreuz aus Achat befindet sich im Museum unterhalb der Felsenkirche. Nicht zu vergessen ist ein altes dickes Buch ,,Auslegung des gantzen Psalters Davids des Königlichen Propheten“, 1644 in Lüneburg gedruckt und ,,Der gantze Gatechismus“, 1643 gedruckt. Alle Gegenstände sind dank einer ständigen Pflege in einem guten Zustand.

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Bild 51: Naturgewachsenes Achatkreuz

In der Kirche stehen noch zwei mittelalterliche Truhen, deren Herkunft unbekannt ist; man vermutet, sie könnten ehemalige Gemeindetruhen sein. Die eine, die bei der Herrschaftsloge steht, ist auf allen Seiten mir festen eisernen Bändern und Zierstücken beschlagen, die den schweren Eichenbrettern einen festen Halt geben; große Schlösser sichern die Truhe. Sie dürfte noch aus dem 14. Jahrhundert stammen. Die zweite Truhe steht auf der Südseite und weist ebenfalls Eisenbeschläge und große Schlösser auf, scheint aber etwas jünger zu sein. Eine dendrochronologische Untersuchung des Eichenholzes könnte wahrscheinlich genaueren Aufschluss über die Entstehungszeit beider Truhen bringen9).

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Bild 52: Mittelalterliche Holztruhe

In der Felsenkirche sind noch einige Fragmente von Glasmalereien erhalten, die teils vor vielen Jahrzehnten der Kirche entfremdet und über den Kunsthandel zurückgekauft worden sind (um 1929), teils aber immer in der Kirche blieben. Nach den zahlreichen Beschädigungen durch Felsstürze vom Bosselstein sind nur noch wenige Fragmente der spätgotischen Glasfenster übrig geblieben. Wahrscheinlich hat man nach der Katastrophe von 1742, oder erst nach denen des 19. Jahrhunderts, die Scherben aufgesammelt, sie verwahrt und schließlich zusammengesetzt, so gut es ging, und in die Kirchenfenster eingesetzt. Wie man der Festschrift von 1929 entnehmen kann, sollen die beiden noch erhaltenen Holzrahmen mit den Fragmenten im Jahre 1889 aus der Kirche entfernt und in Münchener Privatbesitz gelangt sein. Dafür erhielt die Felsenkirche vier Glasbilder ,,im Geschmack (oder vielmehr Ungeschmack) jener Zeit“10). Die Glasfenster des späten 19. Jahrhunderts sind leider 1928 /29 herausgenommen und nicht mehr eingebaut worden, eine von der Zeit her verständliche, aber für uns heute doch bedauerliche Maßnahme. Es heißt in der Festschrift fast überheblich, der ,,Baukünstler“ - gemeint ist Wilhelm Heilig - habe sie ,,selbstverständlich in die erneuerte Kirche nicht wieder aufgenommen, und darüber wird wohl niemand traurig sein“11). In Unkenntnis des tatsächlichen Erhaltungszustandes und der künstlerischen Qualität klammerte man sich damals an die in München entdeckten Obersteiner Fensterfragmente, die der Konservator Luber erworben und ,,mit vieler Mühe wieder aus den einzelnen Scherben“ zusammengesetzt hatte. Der Architekt Heilig verfasste ein Gutachten, betont darin auch den künstlerischen Wert der Fragmente, ,,empfahl aber, mit Rücksicht auf die großen Kosten der Wiederherstellung der Kirche den Ankauf noch hinauszuschieben“. Da man der Meinung war, auch das Bildnis des Erbauers Wirichs IV. (1432 - 1501) sei alt, setzte die Gemeinde der Felsenkirche alles in Bewegung, die Fenstertafeln zu erwerben. Sie sind wohl kurz nach der Einweihung der Kirche 1929 in den Besitz der Gemeinde gelangt und in die Sakristeifenster eingesetzt worden. Der Konservator Luber hatte sich zwar Mühe beim Zusammensetzen der Scherben gemacht, konnte aber doch kein überzeugendes Gesamtbild erzielen. Ein besonderes künstlerisches Gefühl hat Luber nicht an den Tag gelegt. Das meiste ist schlecht ergänzt, grob übermalt, sogar über die Verbleiungen hinweg! Wie schon erwähnt, sind zwei Fenstertafeln in der Montierung von Luber erhalten12). Auf der Fenstertafel 1 ist das so genannte Stifterbildnis Wirichs IV. zu sehen. Da die Fragmente meist willkürlich zusammengesetzt und weitgehend ergänzt sind, kann man kaum von einer spätgotischen Komposition sprechen. Das meiste ist neu, aus dem 19. und aus unserem Jahrhundert stammend, und auch der Kopf mit dem Portrait Wirichs muss neu sein. Die Art der Zeichnung ist unkünstlerisch, die Augen liegen schematisch nebeneinander, getrennt von einer steifen, schief gezogenen Nase, überschattet von ebenso schematisch gezogenen Augenbrauen. Das Kinn springt in zwei kugelförmigen Verdickungen vor, auch hier ohne zeichnerische und malerische Qualitäten. Auch die Art, wie die Haare wiedergegeben sind, entspricht in keinem Falle einer spätgotischen Malerei. Das Ganze wird eben doch von der Hand Lubers sein und stammt damit aus unserem Jahrhundert. Sehr schlecht ist die Zeichnung im unteren Teil des Gewandes von Wirich, wo die Falten mit einem groben Pinsel aufgemalt wurden. Alt sind sicherlich die Reste des Schriftbandes; sie sind aber auch nicht genau genug zusammengesetzt. Die Inschrift lautet: ,Wirich von Dune Herr zu Falckenstein und zum Oberstein 1482“. Der Teil der Inschrift mit“ ... stein 1482“ ist in die zweite Fenstertafel eingefügt. Auch auf dieser Tafel II ist das meiste neu. Alt sind nur noch das genannte Inschriftfragment mit ,, . . . stein 1482“, ein Teil des Daun-Obersteiner Wappens mit dem goldgelben, rot gegitterten Schild und einige Ornamentsfragmente. Ein weiteres Bruchstück dieser Tafel nennt die Jahreszahl 148. . Kurt Henn veröffentlichte in der Festschrift 1929 ein weiteres Glasbild, das ebenso fragmentarisch und stark ergänzt ist und sich noch in der Kirche befindet13). Henn konnte sich noch keine Klarheit verschaffen, ob eine weibliche Heilige oder ein Heiliger gemeint ist. Der sicher originale Kopf der nach der Zusammensetzung völlig ungestalten Figur stellt sicherlich den heiligen Nikolaus von Myra dar, der den Goldklumpen, das Geschenk für die Töchter eines armen Mannes, in der Hand hält. Weitere ornamentale Fragmente der alten Fenster sind in den kleinen Fenstern der Kirche und in der Sakristei erhalten. Wichtig ist noch ein Fragment mit dem Wappen der Grafen von Leiningen, denn Wirich IV. war mit Margaretha, Gräfin von Leiningen, verheiratet. (Die Linie Leiningen-Heidesheim beerbte 1662 die Daun-Obersteiner und ließ auch die Felsenkirche nach der Beschädigung von 1742 wiederherstellen). Das Wappen zeigt drei silberne Adler auf schwarzem Grund, darum vier goldene Kreuzblumen, darüber ein roter dreilätziger Steigbügel- (oder Turnier-) Kragen.

Weitere Erwägungen über die Glasfragmente anzuschließen dürfte sich nicht lohnen. Aber als wichtige Erkenntnis muss festgehalten werden, dass das Gesicht des Wirich kein Originalbildnis aus spätgotischer Zeit darstellt.

Das bedeutendste Kunstwerk der Felsenkirche ist das spätgotische hochberühmte Altarretabel, das an anderer Stelle in dieser Festschrift ausführlich behandelt wird.

Glücklicherweise ist noch eine alte Glocke vorhanden. Sie überstand die Beschlagnahme beider Weltkriege. Nach dem Wortlaut ihrer Inschrift war sie nicht für Oberstein, sondern für die katholische Kirche zu Monzelfeld bei Bernkastel bestimmt. Aus welchem Grunde sie dann doch nicht in Monzelfeld erklingen durfte, sondern nach Oberstein gelangte, ist ungeklärt geblieben. Die Inschrift lautet: ,,sub pastore Friderico BernardiJoanne Frank et Thysone Treish syodalibus, 1686 2. Juli, percussa resono, populum voco, mortuum defleo et fulgura pello, 5. Stephane ecclesiae Montzelfe(ldensis) patronne ora pro nobis“, zu Deutsch: Zurzeit des Pastors Friedrich Bernardi und der Sendschöffen Johann Frank und Mathias Treisch am 2. Juli 1686 (zu ergänzen: bin ich gegossen worden). Wenn ich geschlagen werde, ertöne ich, das Volk rufe ich zusammen, den Toten beklage ich und den Blitz vertreibe ich. Heiliger Stephan, Schutzherr der Kirche von Monzelfeld, bitte für uns“14). Die drei genannten Personen sind um diese Zeit in Monzelfeld nachweisbar, und der heilige Stephan wird schon um 1569 als Patron der dortigen Kirche genannt.

 

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