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H. Peter Brandt: Aus der Geschichte der Felsenkirche
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Das Gesicht einer Stadt wird geprägt durch die Landschaft, in der sie liegt und durch ihre Architektur. Unter Letzterer können hervorragende Gebäude (im doppelten Sinne des Wortes) oder die Gesamtheit bzw. ein Teil der Bausubstanz einen besonders charakteristischen Eindruck bewirken.

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Bild 1

Eine unverwechselbare, markante Verbindung all dieser Elemente bot über ein halbes Jahrtausend hinweg das Stadtbild von Oberstein an der Nahe: Fluss, Felswand, Burgen und Kirche im Fels bildeten ein einmaliges Ensemble, das unzählige Maler, Zeichner, Kupferstecher und Fotografen, Dichter und Schriftsteller, Einheimische, Touristen und Journalisten - Künstler wie Dilettanten - über Jahrhunderte hinweg im Bilde festgehalten oder beschrieben haben.

Nicht die Felsenkirche selbst ist - wie vielfach behauptet wurde - einmalig auf der Welt. Gotteshäuser oder Einsiedlerklausen, die im oder am Fels gebaut sind, gibt es öfter: an der unteren Nahe bei Bad Kreuznach, bei Serrig an der Saar, am Bischofssitz Salzburg oder als heute noch bewohntes Kloster auf der griechischen Insel Amorgos, gewiss auch in Jugoslawien, an der Mittelmeerküste und in vielen anderen Ländern innerhalb und außerhalb Europas.

Das Besondere an der Felsenkirche in Idar-Oberstein ist der Gesamteindruck, die Verbindung von Natur und Kultur inmitten einer Stadt, wobei es sicher kein Zufall ist, wenn man ihre Entstehung mit sagenhaften Vorgängen verknüpft.

Die Sage

Die Sage von der Erbauung der Felsenkirche zählt wohl zu den bekanntesten Mythen im Bereich zwischen Mosel und Pfalz, Rhein und Saat. Über ihre Entstehungszeit können wir keinerlei Aussagen machen, zumal sie gewiss über einige Generationen zunächst nur mündlich tradiert wurde, bis man sie erstmals niederschrieb. Die bis heute älteste bekannte gedruckte Fassung findet sich in den Rheinischen Provinzial-Blättern von 1836, wobei es sich allerdings um eine literarisch bearbeitete Form handelt. Seit dieser Zeit ist aber der Stoff unzählige Male nacherzählt, dramatisiert und gedruckt worden, sodass es praktisch unmöglich ist, eine authentische Urfassung zu ermitteln.

Im Wesentlichen geht es dabei immer um einen Mord an einem engen Verwandten (Bruder oder Vetter) auf dem alten Schloss in Oberstein (zeitweise ,, Bosselstein“ genannt), welcher den Anlass zur Erbauung der Kirche gab. Über Ursache und Hergang der Tat sind drei verschiedene Versionen in Umlauf: Einmal ist die Rede von

a) einem tödlichen Pfeilschuss auf einen Vetter,

b) einer Katze, die ein Bruder dem Anderen in den Stiefel steckt und

c) der gemeinsamen Liebe von zwei Brüdern zu dem Burgfräulein Bertha von Lichtenberg.

In den beiden Fassungen b) und c) haben Scherz bzw. Eifersucht jeweils zur Folge, dass ein Bruder den anderen aus dem Fenster der alten Burg wirft, und dieser dann zerschmettert an der Stelle liegen bleibt, wo heute die Felsenkirche steht. Der Bau des Gotteshauses ist in allen drei Versionen die von der Kirche (einem Abt oder einem Bischof) auferlegte Sühne für die ruchlose Tat, wobei der Mörder immer zuvor ruhelos in der Gegend umhergezogen ist bzw. sogar an einem Kreuzzug nach Palästina teilgenommen hat. Der Missetäter soll an der Stelle, an der das unschuldige Opfer gefunden wurde, mit Hammer und Meißel eine Höhlung in den Fels geschlagen, eine Kirche darin errichtet haben und tot zusammengebrochen sein. Angeblich hat man Täter und Opfer danach gemeinsam in dieser Kirche bestattet.

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Bild 2: Oberstein um 1955

Fortsetzung:

Einleitung und Sage
Die Wirklichkeit
Die Vorgängerbauten
Der Umbau der Felsenkirche 1482/84 und deren Erstausstattung
Die Felsenkirche vom Ausgang des Mittelalters bis 1742
Zerstörung und Wiederaufbau der Felsenkirche 1742 - 1800
Felsstürze und Neubaupläne im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Renovierung 1927/29
Die Felsenkirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Zukunftsperspektiven der Felsenkirche

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